Lootboxen in MMOs - ist das wirklich Glücksspiel?



21.12.2018  - Geschrieben von Redaktion

Es gibt wohl kaum ein Element in Videospielen, das in den letzten Jahren für so viel Aufregung gesorgt hat wie die Lootbox. Nachdem den Entwicklern klar wurde, wie viel Geld sie durch Lootboxen in ihren Spielen verdienen können, wurden die Kisten in immer mehr Spiele integriert. Durch diese Entwicklung zogen sie sich nicht nur den Ärger der Spieler zu, sondern brachten sogar die Regierungen vieler Länder gegen sich auf.

Laut vielen Kritikern sind die Lootboxen in Videospielen nämlich nichts anderes als Glücksspiel – und sollten daher streng reguliert werden. Schon jetzt sind die Lootboxen in Ländern wie Belgien als Glücksspiel klassifiziert und dürfen daher nur von volljährigen Personen gekauft werden. Viele andere Ländern wollen in Kürze nachziehen und eine Altersvorgabe für die kontroversen Kisten einführen.

Die Frage ist nun, ob dies alles ein wenig übertrieben ist oder ob die Lootboxen wirklich mit Glücksspiel verglichen werden können. Und wie wirken sich Lootboxen überhaupt auf das Erlebnis der Spieler aus? Mindern die Kisten den Spielspaß oder können sie ihn sogar erhöhen? Diese Fragen wollen wir heute beantworten.

Was sind Lootboxen?

Eine Lootbox ist eine Kiste in einem Videospiel, die Gegenstände aus dem Spiel erhält. Dies können Dinge wie Waffen, Ausrüstung, Munition oder andere Items sein, die das Spiel einfacher oder unterhaltsamer machen. Lootboxen gibt es bereits seit Anbeginn der Videospiele, z.B. in Adventures wie Zelda: A Link to the Past. Für eine lange Zeit wurden die Kisten jedoch komplett durch Leistungen im Spiel freigeschaltet. Wer einen Endboss besiegte oder ein besonders schweres Rätsel in einem Dungeon meisterte, der wurde dafür oft mit einer Lootbox belohnt.

Geschichte der kostenpflichtigen Lootboxen

Seit einigen Jahren gibt es jedoch ein neues Modell für die Lootboxen. Die Spieler können diese nun durch externe Zahlungen kaufen. Die ersten kostenpflichtigen Lootboxen erschienen in asiatischen MMOs wie Zhengtu. Da Spieler in Asien oft nicht genug Geld hatten, um den vollen Verkaufspreis für ein Spiel zu bezahlen, wurden diese Spiele als Free-to-Play angeboten. Gleichzeitig führten die Entwickler Mikrotranskationen wie Lootboxen dort ein, um trotzdem Geld dabei zu verdienen. Innerhalb eines Jahres nahmen die Entwickler von Zhengtu pro Monat mehr als 15 Millionen US-Dollar mit Lootboxen ein.

Durch den Erfolg dieser neuen Strategie wurden die Lootboxen auch bald im Westen eingesetzt. Den Anfang machten bei uns mobile Games von Zynga und anderen großen Entwicklern. Viele dieser Titel wurden in der Folge zu enormen finanziellen Erfolgen. Alleine das Spiel Farmville erwirtschaftete innerhalb von kürzester Zeit bis zu 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr. Das Entwickler-Unternehmen war zeitweise 9 Milliarden Dollar wert. Und alles durch den Verkauf von Lootboxen.

Heute werden die Kisten in einer Vielzahl von Spielen verwendet. FIFA 18 verwendet sie genauso wie Overwatch, Star Wars: Battlefront 2 oder Counter-Strike: Global Offensive. Und da die Entwickler gut an diesem Modell verdienen, dürfte es in den nächsten Jahren in noch viel mehr Spielen zu sehen sein.

Lootboxen in MMOs

Neben dem bereits erwähnten Zhengtu kommen Lootboxen noch in vielen anderen MMOs vor. Manche Spiele wechselten in der Vergangenheit zu einem Free-to-Play-Modell, um auf diese Weise Geld zu verdienen. Das berühmteste Beispiel ist The Lord of the Rings Online, welches bereits seit mehreren Jahren komplett durch Mikrotransaktionen finanziert wird. Ein anderes Beispiel für Lootboxen in MMOs ist Guild Wars 2.

Multiplayerspiele wie MMOs eignen sich besonders gut für das Modell der Lootboxen, da Spieler in diesen Titeln immer im Wettbewerb mit den anderen Spielern stehen. Jeder will die beste Ausrüstung und den stärksten Charakter haben. Auch wenn dies theoretisch auch ohne Investitionen in Lootboxen möglich ist, geht es mit diesen um einiges leichter und vor allem auch schneller.

Sind Lootboxen Glücksspiel?

Prinzipiell würde man bei Lootboxen wohl kaum auf den Gedanken kommen, dass diese etwas mit Glücksspiel zu tun haben. Bedenkt man allerdings die Tatsache, dass der Spieler beim Erwerb der Kisten nicht weiß, was diese enthalten, dann macht die Einstufung schon mehr Sinn. Schließlich wissen die Entwickler der Spiele ganz genau, wie sie Spieler durch psychologische Tricks dazu bringen, so viel Geld in einen Titel zu investieren wie möglich. So enthält ein Großteil der Kisten nur minderwertige Gegenstände, und Spieler sind stets in Versuchung, ihr Glück bei einer weiteren Kiste zu versuchen – genau wie bei einem Rubbellos.

Ob die Lootboxen deshalb tatsächlich als Glücksspiel eingestuft werden sollten, ist wohl eher Ansichtssache. Für die meisten Menschen besteht immer noch ein großer Unterschied, ob man eine virtuelle Kiste in einem Videospiel kauft, oder Roulette in einem Online Casino spielt. Da es bei zweiterem um wesentlich mehr Geld geht und der Spieler auch seine Gewinne in echtem Geld erhält, handelt es sich dabei ganz klar um Glücksspiel. Dieses ist reguliert und alle Konditionen der Casinos sind ganz klar auf Seiten wie dem Casinoprofessor beschrieben.

Eindeutiger ist die Tatsache, dass das Modell der Mikrotransaktionen eine finanzielle Gefahr für minderjährige Spieler darstellt. Es gab bereits zahlreiche Geschichten von minderjährigen Spielern, die tausende von Euros in Spiele investierten – und alles über die Kreditkarten der Eltern finanzierten. Daher ist es wohl ein positiver Schritt, dass die Lootboxen in vielen Ländern nur noch von volljährigen Menschen gekauft werden dürfen.

Mindern Lootboxen das Spielerlebnis?

Neben den Regierungen verschiedener Länder haben Lootboxen vor allem auch bei den Spielern für viel Unmut gesorgt. Da sich Spieler durch externe Zahlungen in vielen Titeln heute einen Vorteil verschaffen können, würde dadurch der Wettbewerb verzerrt. Bei Spielen wie Hearthstone oder FIFA 18 sei der Einsatz von Lootboxen sogar schon so stark, dass „normale“ Spieler am Ende keine Chance mehr hätten.

Die Kritik an den Kisten geht sogar noch weiter: So haben viele Spieler und Kritiker mittlerweile den Eindruck, dass manche Entwickler ihre Spiele absichtlich schwerer machen, um Spieler zum Kauf von Lootboxen zu motivieren. Auch wenn diese Spiele theoretisch umsonst gespielt werden können, ist dies in der Praxis oft sehr mühselig. Ein paar Euro in Lootboxen investiert, und schon geht alles viel einfacher.



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